Harriet blieb im Hauptquartier über Nacht, da sie vor Hunger fast zusammengebrochen war und daraufhin etwas zum Essen bekommen hatte. Das Essen, das sie von Mrs. Weasley vorgesetzt bekam, sah so schmackhaft aus, dass ihr schon bei diesem Anblick das Wasser im Mund zusammenlief. Im leichten weißen Nachthemd saß Harriet am Tisch und verschlang das Essen, als ob sie nie zuvor etwas gegessen hätte. Plötzlich fiel ihr der Brief ein, den sie mal bei Professor Wagner gefunden hatte. Sie beschwor ihn hervor und las ihn durch, bevor eine aufkeimende Übelkeit in ihrem Magen aufstieg.
Liebe Harriet,
Bitte verzeihe mir, dass ich dich in meine Sache mit Voldemort hinein gezogen habe, denn es ist ganz allein meine Schuld, wenn Voldemort dich in die Finger bekommt. Wie in alter Zeit seid ihr dazu zuständig, die Hexen und Zauberer auf dieser Welt zu beschützen und nicht die Vampire oder andere Wesen, wozu ich auch Voldemort dazuzähle, aber bedenke, Harriet, dass das Leben im ständigen Kreislauf der Zeit ist, wo jeder der Jäger und sogleich der Gejagte ist. Denke an mich und vergiss nicht zu lieben, denn das ist die einzige Waffe, mit der du Voldemort besiegen kannst. Doch du musst es Harry Potter sagen, da er der Auserwählte ist oder besser gesagt, der Messias von der Zaubererwelt. Und denke niemals daran, dass du alleine bist, denn wahre Freundschaften halten lebenslang, wie du an Professor Wagner sehen kannst, die dir oft geholfen hatte. Aber bedenke, ein Vampir kann auch wiederbelebt werden. Dazu jedoch musst du an den Ursprung des Bösen, zum Vampirfriedhof, wo man einen Vampir wiederbeleben kann.
Dein dich ewig Liebender
Sanguis Lamia
Langsam stand sie auf, aber Mrs. Weasley drückte sie runter, da sie gesehen hatte, dass sie noch nicht fertig gegessen hatte. Harriet stöhnte genervt auf und aß weiter, bis sie gehen durfte. Sie schaute hinaus in die verregnete Nacht, in der am Himmel helle Blitznarben erschienen und rasch wieder verschwanden. Verwundert hob sie eine Augenbraue, als sie etwas Fledermausartiges am Himmel bemerkte und als sie dann sah, wie es von einem Blitz getroffen wurde, stand Harriet erschrocken und rasch vom Stuhl auf, sodass dieser scheppernd zu Boden fiel. Sie rannte zum Fenster, um dort deutlich zwischen zwei schwarzen Wolken den dunkelroten Vollmond zusehen. Ihr blieb das Blut in den Adern stehen, als sie diesen Mond sah. Es ist soweit, dachte sie panisch. Es ist Zeit sich zu entscheiden, ob man zur Weißen oder Schwarzen Seite geht. Etwas Warmes berührte sie an der Schulter und langsam drehte Harriet ihren Kopf zu der Stelle. Neben ihr stand Professor Wagner, die ein gezwungenes Lächeln aufsetzte. „Weißt du Harriet, was der Brief bedeutet?“ fragte Professor Wagner leise, da Mrs. Weasley noch in der Küche war. „Nicht so genau, Henrietta!“ sagte Harriet. „Du kannst Sanguis zurückholen, aber dafür musst du zum Vampirfriedhof.“ „Wie komme ich zum Ursprung des Bösen?“ Man hörte etwas zersplittern und beide schauten zu Mrs. Weasley, die die Teller fallen gelassen hatte und die beiden mit Angst erweiteten Augen anstarrte. Ihre Gesichtsfarbe war von normal auf kreidebleich gewechselt. Professor Wagner schaute sie fragend an, als sie mit zitternden Händen die Scherben aufhob und sich dabei in den Finger schnitt. Kein Blut, bitte jetzt nicht, dachte Professor Wagner panisch. Es ist keine gute Zeit sich zu schneiden, vor allem da gerade ein Vampir von einem Blitz getroffen wurde und der Mond dunkelrot leuchtet. Harriet krallte sich an Professor Wagners Arm fest, da sie wieder einmal einen Schwindelanfall bekommen hatte. Langsam verschwamm alles um sie herum und das letzte, was sie hörte, war Professor Wagners entsetzter Ruf.
Satanas Cruror war der Herr des Bösen, die Inkarnation ihres Ursprunges. Seine Haut war fast durchsichtig, so blass war er und seine Augen wirkten so kaltherzig, das selbst Lord Voldemort Angst bekommen hätte. Sein langer schwarzer samtiger Umhang thronte majestätisch auf seinen Schultern, als er von seinen langen weißen Fingern zu seinen Gefolgsvampiren aufschaute. Alle hatten ihm von Anfang an gedient und das gut tausend Jahre lang. Ohne ein Wort an sie zu richten, blickte Satanas sie alle mit seinen schwarzen Augen an, ehe er einem Glaskelch mit Blut nahm und von diesem trank. Er stellte ihn dann wieder auf den Tisch neben seinem Thron und wischte sich das Blut um seinen Mund mit seinem Ärmel weg. „Ich habe ein Auftrag für euch. Ihr müsst Lord Voldemort vernichten, denn er hat den Stamm unseres Freundes vollkommen vernichtet und mit ihm auch Alpaslan.“ sagte er mit einer so kalten Stimme, das sich schauernd bei jedem die Haare im Nacken aufrichteten. Dennoch ging ein tiefes Gemurmel in der Vampirschar um. „Wir gehen wie folgt vor. Die Schwangeren und Frauen, die Kinder bis zu drei Jahren haben, bleiben mit diesen hier, während alle anderen sich im Lager treffen. Diese gehen in den Krieg.“ Laute Schritte waren zu hören, als alle die Halle verließen und sich für den Krieg rüsteten, bis auf eine Frau, die auf Satanas zuging. Sie hatte weißblondes Haar und kastanienbraune Augen, doch war sie abgemagert, da sie fast gar nichts zum Essen bekam, weil sie kein Vampir war, sondern ein Halbblut. Satanas strich behutsam über ihre blasse Wange, als sie vor ihr stand. „Ich hab dir Essen zu schicken lassen, da ich dich nicht verlieren will, weil du nichts zum Essen bekommst.“ sagte er besorgt und mit einer erstaunlich warmen Stimme. „Danke!“ sagte die Frau. „Was macht dein Bruder Alexander?“ fragte er. „Geht er mit in den Krieg?“ „Nein, das tut er ganz bestimmt nicht, denn er möchte mich beschützen, Satanas.“ sagte sie und fuhr dann mit einigem Zögern fort. „Sag Mal, muss Cédric mit in den Krieg? Er ist doch erst fünf geworden.“ „Er muss, Elisabeth, wie auch die Zwillinge und die Drillinge, auch wenn sie gerade mal sechs und vier sind." Seine Stimme war wieder hart und kompromisslos geworden. „Elisabeth, komm schnell, denn mit deiner Tochter Charlotte stimmt etwas nicht.“ sagte Elisabeths Bruder Alexander, der straßenköterbraune zerzauste Haare und hellblaue Augen hatte. Er stand in der goldenen Portaltür, wobei er sich den Schweiß abwischte. Elisabeth gab Satanas einen raschen Kuss auf die Lippen und rannte zu ihrem Bruder, der sie dann zu ihrer Tochter brachte, die wie ihre Geschwister Vampire waren. Satanas blieb stehen und schaute seiner Frau nach, die er als die hübscheste Frau von allen hielt; auch damals als er sie mit fünfzehn mit ihrem gleichaltrigen Bruder im Wald aufgefunden hatte, war sie schon hübsch gewesen. Doch erst als sie siebzehn geworden war, hatte er sich ihr genähert und schließlich, nach der Geburt von den Zwillingen, hatten sie geheiratet. Er, Satanas Cruror, kannte ihre Vergangenheit und wusste, das ihre Schwester etwas besonderes war und vielleicht bald sterben würde. Es war sogar wahrscheinlich, dass sie sterben würde, es sei denn, sie gebar zum Beispiel ein Kind.
Harriet erholte sich von dem Schwindelanfall in dieser besonderen Nacht erstaunlich gut und kehrte schließlich mit froherem Mut nach Oxford zurück. Dort nahm sie wieder ihr Studium auf, wobei sie langsam nach weiteren Prüfungen ihr Lernen unter Kontrolle brachte. Doch jemanden hatte Harriet in der Zeit, die sie im Hauptquartier verbracht hatte, stark vermisst... Cornelius... Oftmals hatte sie an ihn beim Einschlafen denken müssen und so war sie mehr als glücklich, dass sie nun in Oxford mehr Zeit mit ihm verbringen konnte. Als er ihr zu Weihnachten einen Kasten voller Phiolen und Flakons mit verschiedenen Inhalten schenkte, die sie ganz dringend für den Zaubertränkeunterricht benötigte, glühten vor Freude ihre Wangen. Das anschließende Weihnachtsessen in der großen Halle schmeckte allen Dagebliebenen. Es war so herrlich und so reichhaltig, dass man alle in die Zimmer hätte kugeln können– nur im bildlichen Sinne. – Der Schnee fiel wie Federn vom Himmel und überdeckte alles in einer weißen Schicht, auch alle Lügen und Sünden. Am dritten Januar überraschte Cornelius Harriet mit einem selbstgebackenen Kuchen, in dem achtzehn Kerzen steckten. Sie hatte ihn so stürmisch umarmt, sodass sie auf den Boden fielen. Doch diese glückliche Zeit sollte nicht von allzu langer Dauer sein. Wie Harriet es vorhergesehen hatte, griffen Vampire Oxford an und die Studenten und Professoren mussten gegen sie kämpfen. Harriet rannte den Verwandlungskorrido r entlang, als eine Horde von Vampiren auf sie zukam und sie plötzlich hart auf ihre Knie fiel, wobei sie ihren Zauberstab verlor. Ein stechender Schmerz durchzuckte sie und als sie daraufhin an ihrer Wange griff, merkte sie, dass sie dort eine Wunde hatte. Ein greller grünes Licht traf sie um ein Haaresbreite, als sie sich aufrichten wollte. Mehrere Todesser standen vor ihr, doch sie merkte auch , das mehrere Vampire auf der andren Seite des Korridors standen. „Avada K-!“ Ein roter Lichtstrahl erwischte einen der Todesser, der daraufhin durch die Gegend geschleudert wurde und hart mit der Wirbelsäule an der Wand abprallte. Er sackte langsam die Wand hinunter, ehe er sich schwankend wieder aufrichtete. Noch ein Lichtstrahl flog über Harriets Kopf, die sich am Boden kauerte und ihre Hände schützend über ihren Kopf legte. Die Luft wurde von den Zaubersprüchen erhitzt und man hörte es an den Wänden wieder hallen. Der Avada Kedavra Fluch verfehlte Harriet so um ein Haaresbreite, das man als Zuschauer geglaubt hätte, sie sei getroffen worden. Etwas Unangenehmes kroch in Harriet hoch und im nächsten Moment wurde es still. Die Todesser schauten auf die Vampire, die auf einmal in einem smaragdgrünen Licht erhellt wurden und dann – so das man es nicht erahnen konnte – hörte man deutlich ein sirrendes Geräusch, bevor eine Druckwelle die Todesser gegen die Wand schleuderten, ehe sie dann in einem grellweißen Licht verschwanden. Das Gefühl der Druckwelle herrschte noch immer in Harriets Körper. Man konnte es so beschreiben, als ob man mit einem Flugzeug saß, das gerade in die Luft startete. Schritte halten in dem Korridor und reflexartig drehte sich Harriet zu den Vampiren um, die im Takt zu ihr schritten. Sie schüttelte den Kopf, wobei sie rasch am Boden rücklings wegkrabbelte, ehe sie sich aufrichtete und weglief. „Alle Studenten und Professoren werden gebeten sich schnellstens vom Schulgebäude zu entfernen, denn in wenigen Minuten wird die Schule in die Luft gesprengt.“ hörte man aus den Lautsprechern. Nein, bitte nicht, ich will nicht sterben, dachte Harriet, als sie rasend vor den Vampiren wegrannte, die hinterher ihr her flogen. Warum wird die Schule in die Luft gesprengt? Was ist mit unseren Sachen? Langsam bekam sie keine Luft mehr und merkte wie in Trance, dass alle Gänge leer waren. Keiner war mehr zu sehen und sie wusste, dass Alle Richtung Ausgang gerannt waren. Sie konnte nur noch die Leichen der Studenten und Professoren sehen, die den Angriffen zum Opfer gefallen waren. Etwas zerriss die Luft beim Rennen, gefolgt von einem Gefühl, als ob jemand ihr die Lunge mit einem Seil fest zuschnüren wollte. Das Zerreißende Geräusch, als ob die Luft zerreißen würde hörte sie mehrere Male, wobei sie durch den längsten Korridor rannte. Schließlich traf sie auf die Leiche von Professor Smith, der in einer Ecke lag und sie starr vor Angst mit glasigen Augen anstarrte. Etwas Warmes lief aus ihrem Mund, was salzig schmeckte. Blut? überlegte Harriet, als sie wie in Zeitlupe zu Boden fiel und alles sich in ein grünes Licht tauchte.
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