"Der Trank der Verzweiflung lässt die Opfer ihre Ängste und schlimmsten Erinnerungen noch einmal durchleben. Je mehr davon getrunken wird, desto verzweifelter werden sie." "Sehr gut", der dunkle Lord lächelte. Arebe sah förmlich, wie er sich vorstellte, wie seine Feinde gequält wurden. Albus Dumbledore, ein Mann mit verstrubbelten Haar und Brille, ein dunkelhäutiger Zauberer mit violettem Hut. Wie sie in Verzweiflung schrieen und zu einem See getrieben wurden und dort von einem Schwall leichenartiger Kreaturen in die Tiefen gezogen wurden. Sie schüttelte es. Je tiefer sie in seine Gedanken eindrang, desto mehr wollte sie einfach ihre Sachen packen und wieder nach Hause fahren. Wenn da nicht Anoquey wäre... Diszipliniere deine Gedanken, herrschte sie sich an. Sie hatte einen Auftrag und sie wollte Mandragoras nicht enttäuschen. "Erstaunlich, ich hätte nie gedacht, das solche niederen Kreaturen wie Druiden noch so nützlich sein würden." Er umkreiste sie. "Und man merkt kaum, wie anders ihr doch seid. Du erdreistest es dir sogar auch noch, sich wie unsereins zu kleiden." Aus dem nichts wurde sie zu Boden geschleudert. Der Lord hatte seinen Zauberstab erhoben und sah sie verachtend an. "Bitte Mylord, ich werde nächstes Mal etwas anderes tragen. Ich dachte nur, ich..." "Das würde ich dir raten. Zieh nächstes mal wieder deinen Druidenfummel an, damit jeder weiß, was du bist. Und jetzt steh wieder auf." Arebe beeilte sich aufzustehen und richtete ihren schwarzen Umhang wieder. Und sie hatte gedacht, dass sie damit Eindruck schinden konnte... "Eigentlich sollte ich dich für so eine Frechheit umbringen, aber du bist mir im Moment noch zu nützlich. Besonders im Bezug auf Wurmschwanz..." Wieder umkreiste er sie. "Du scheinst es ihm besonders angetan zu haben. Was einen Zauberer dazu bringt, sich in eine Kreatur wie dich zu verlieben? Du bist noch nicht einmal besonders hübsch." Er besah sie von oben bis unten mit seinen roten Augen. "Noch hast du herausragende weibliche Eigenschaften, die dich attraktiv machen würden." Er strich mit seinen langen, dünnen Fingern über ihre flachen Brüste. Arebe lief ein Schauer über den Rücken. Doch war es kein warmer Schauer, den sie immer spürte, wenn Anoquey sie berührte, sondern eiskalt. Sie spürte wie ihr die Galle hoch kam. Konzentriere dich, Arebe. Er darf dich nicht durchschauen... "Du bekommst kein dunkles Mal, das Privileg ist nur Zauberern des inneren Kreises vorbehalten. Aber du wirst immer zu mir kommen, wenn ich es verlange. Und du wirst mit anderen nicht über die Angelegenheiten sprechen, über die wir reden. Hast du verstanden?" "Ja, Mylord" Es klopfte an der Türe. "Herein." Ein Todesser namens Travers kam mit gebeugtem Haupt herein. "Mylord, wir sind vollzählig." "Sehr schön", der dunkle Lord lies von ihr ab und eilte aus dem Raum. Arebe beeilte sich hinterherzukommen. Die Todesser hatten sich an einem langen Tisch versammelt. Sie sah Anoquey mitten unter ihnen sitzen. Er sah auf, sah ihr in die Augen und lächelte. Arebe senkte ihren Blick. Hatte der dunkle Lord Recht? War er wirklich in sie verliebt? Wenn das schon der dunkle Lord bemerkte, für den Liebe nur etwas für Schwächlinge war... In ihrem Bauch fing es wieder zu kribbeln an. "Da ist aber jemand mächtig in dich verschossen", hatte Cliodna geschrieben, als sie von Anoquey erzählt hatte. Warum merkten das alle, außer ihr? Sie hatte sich noch nie sehr für Jungs interessiert. Und die Jungs auch nicht für sie. An ihrer Muggelschule war sie nur die komische kleine Streberin die ein Fabile für Botanik hatte. Und zu Zauberern hatte sie bisher nur Kontakt über die Apotheke gehabt. Und da waren die Beziehungen auch nur rein geschäftlicher Natur gewesen. Bei den Druiden gab es kaum Männer in ihrem Alter. Der einzige, der vielleicht infrage käme, wäre Antoine Defou, aber der war das größte Arschloch, dass sie kannte. Obwohl, im Gegensatz zum dunklen Lord... Sie setzte sich und sah in ihren Augenwinkeln, wie Anoquey sie immer noch ansah. Ihr Herz klopfte. Warum konnte er das nicht lassen? Sie würde ihm doch nur Unglück bringen. Der Dunkle Lord nutzte seine Gefühle zu ihr völlig aus und zwang ihm so Dinge zu tun, die er später bereute. Sie durfte keine Beziehung zu ihm aufbauen. Sie musste sich konzentrieren. Sie hatte eine Aufgabe. "Heute, meine lieben Todesser, hat sich unser Warten und Spionieren endlich ausgezahlt." Der dunkle Lord strahlte, als hätte ihm jemand ein Geschenk gemacht. "Es ist uns einer dieser Blutsveräter vom Orden des Phönix in die Hände gefallen." Die Todesser tuschelten aufgeregt miteinander. Arebes Blick fiel auf Anoquey. Der saß steif mit großen Augen in seinem Stuhl und kaute nervös an seinen Fingernägeln. Sie hatte plötzlich das große Bedürfnis, ihn in den Arm zu nehmen. "Travers, wenn ich bitten darf." Natürlich. Das war diese blonde Frau, die sie in Travers Kerker eingesperrt hatten. Was würden sie mit ihr anstellen? Sicherlich würde der dunkle Lord wieder Anoquey wieder zu etwas zwingen, dass er mehr Informationen rausrückte, wie er das jedes Mal tat. Und mit dieser Frau vom Orden des Phönix wollte er ihn vermutlich noch mehr brechen, warum hatte er sie sonst bis jetzt am Leben gelassen? Was sollte sie tun? Travers kam mit der bewusstlosen Ordensfrau zurück und Arebe sah, wie sich Anoqueys Augen vor Schrecken weiteten, als er erkannte, wer sie war. "Marlene" "Ganz recht. Marlene McKinnons, eine der größten Blutsverräter und Mitglied im Orden des Phönix." Der Lord schien sich in Anoqueys Leid regelrecht zu suhlen. Arebe sah, wie Anoquey fast den Tränen nahe war. Der dunkle Lord war in euphorischer Stimmung. "Und das allen haber unserem Wurmschwanz hier zu verdanken. Tritt vor und hol dir deine Belohnung ab." Arebe sah, wie Anoquey völlig blass und zitternd von seinem Platz aufstand und zum dunklen Lord und Marlene schlich. Der Lord hob seinen Zauberstab und Anoquey zuckte zusammen, doch er richtete ihn stattdessen auf Marlene. "Enervate" Als Marlene erwachte, lies sie einen Schrei aus und griff in ihre Umhangtasche nach ihrem Zauberstab. Travers wedelte mit ihrem Zauberstab herum, um ihr zu zeigen, dass sie vergeblich suchte. "Crucio" Der Lord folterte Marlene und Anoquey stand völlig hilflos daneben. Arebe spürte einen Stich in ihrem Herzen. Sie wollte ihm so gerne helfen, aber wie sollte sie das tun, ohne dass ihre Tarnung aufflog? Mit dem Schutzzauber für Harry hatte sie schon zu viel riskiert und es grenzte an ein Wunder, dass er der dunkle Lord noch nicht herausgefunden hatte. Der dunkle Lord hörte auf Marlene zu foltern und sah nun Anoquey an. "Nun Wurmschwanz. Ich gebe dir nun die Gelegenheit, zu beweisen, was für ein guter Todesser du nun schon geworden bist." Er hob den Zauberstab. "Fühle die Macht und gib dieser elendigen Blutsveräterin, was sie verdient hat." Marlene hob den Kopf und sah Anoquey an. "Du? Ein Todesser?" keuchte sie. "Wie kannst du das nur Lily und James antun?" "Du kennst den Fluch Wurmschwanz. Sei kein Feigling. Spüre die Macht." Anoquey hob und senkte seinen Zauberstab. Dann drehte er seinen Kopf und sah sie an. Arebe blieb beinahe das Herz stehen. Seine kleinen hellbraunen Augen, die nahezu immer aussahen als würde er gleich mit dem Weinen anfangen. "Hilf mir", schien sein Blick zu sagen. "Bitte, bitte hilf mir." Arebe musste sich zurückhalten über den Tisch zu springen und der versammelten Mannschaft einen Flug auf den Hals zu hetzen. Doch sie durfte nicht. Sie konnte nicht. Alles was sie konnte war hilflos zusehen, wie Anoquey vor der Frau stand und offenbar nicht wusste, was er tun sollte. Diese richtete sich zitternd auf. "Wegen dieser Frau bist du ein Todesser geworden? Du rückgratloser Wicht! Wir haben dir vertraut Wurmschwanz, jeder vom Orden." Sie warf einen verächtlichen Blick zu Arebe. "Und wegen so einem Todesserflittchen verrätst du deine besten Freunde?" "Crucio", rief Anoquey auf einmal, mit wütender Stimme und die Frau schrie einmal kurz auf. Der dunkle Lord und die anderen Todesser lachten. "Das werden wir noch üben, Wurmschwanz." Anoquey drehte sich um, sichtbar erleichter, doch der dunkle Lord hielt ihn zurück. "Einen Moment Wurmschwanz. So einfach geht das nicht. Du musst noch zu Ende bringen, was du angefangen hast." Oh nein. War es das, was sie dachte? Anoqueys Mine versteinerte sich und er drehte sich wieder dem dunklen Lord zu. "Mylord?" "Bring es zuende. Mach sie weg. Töte sie." Arebe sah, wie über Anoqueys Wangen eine Träne lief. "Ich bin kein Mörder." Der dunkle Lord lachte. "Wenn du sie nicht tötest... weißt du schon, was ich mache." Er nickte mit einem hässlichen Grinsen in Arebes Richtung. "Das ist ein Trick", wollte Arebe rufen, doch sie konnte nicht. "Das ist nur wieder eine Falle, er wird mich nicht töten, dann würde er ja seinen Joker verspielen." Arebe sah auf ihre Hände. Sie konnte einfach nicht ansehen, wie sehr die Situation Anoquey quälte - sogar noch mehr als ein Cruciatus-Fluch. Warum war sie an dem Tag, wo sie ihm das erste Mal getroffen hatte, nur zurückgegangen und hatte ihm geholfen? Sie sah ihm am ganzen Körper zittern. Lasst ihn doch einfach in Ruhe, dachte sie sich. Was hat er euch denn getan? Sie wollte einfach nur nach Hause und am liebsten würde sie Anoquey mitnehmen. Ihn in eine warme Decke einwickeln und ihm sagen, dass alles ok sei und er nur schlecht geträumt hätte. "Wird das heute noch was, oder müssen wir auch morgen warten?" Die anderen Todesser lachten und verspotteten Anoquey und Arebe sah, wie er immer unsicherer wurde. Sie sah wie Marlene versuchte zu flüchten, doch vom Lord im Zaum gehalten wurde. Arebe konnte nichts tun. Sie sah einfach nur wieder auf ihre Finger und hoffte, dass es bald vorbei war. "Wurmschwanz, Wurmschwanz, Wurmschwanz" "Genug" unterbrach der Lord das Gejodele der Todesser. "Genug ein für alle Mal." Er richtete seinen Zauberstab auf Anoquey. "IMPERIO" Arebe sah, wie Anoqueys Blick gläsern wurde und er wie in Trance seinen Zauberstab auf Marlene richtete. "Avada Kedavra" Es gab einen Lichtblitz und Marlene brach zusammen. Tot.
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